Begriffsbestimmung
Um sich dem Thema zu nähern, ist zunächst eine Begriffsbestimmung erforderlich. Als Definition für Hobby findet man im Lexikon folgendes:
Hobby [-bi; engl.] das, -s/-s, Beschäftigung, der man in seiner Freizeit (aus Interesse oder als Ausgleich zur berufl. Tätigkeit) nachgeht, Liebhaberei, Steckenpferd.
Liebhaberei ist die Beschäftigung (mit einer bestimmten Sache) in der Freizeit, Steckenpferd, Hobby; das Fotografieren, Briefmarkensammeln ist eine Liebhaberei; etwas (nur) aus Liebhaberei tun nicht beruflich und für Geld, sondern nur aus Freude an der Sache in der Freizeit.
Eine Beschäftigung in diesem Sinne ist demnach Betätigung, Tätigkeit, Zeitvertreib. Freizeit wiederum ist eindeutig als der von der Berufsarbeit nicht beanspruchte Zeitraum, der sich in der hochindustrialisierten Gesellschaft durch Arbeitszeitverkürzungen ausdehnt, insbesondere auch Urlaub und verlängertes Wochenende definiert. Relevant dabei ist die Freude an der Sache, die mit Beglückung, (innere) Befriedigung; Gefühl des Frohseins, Fröhlichkeit definiert ist.
Wichtige Komponenten für ein Hobby sind also :
- Freizeit
- Liebhaberei
- Zeitverteib
- Freude
Demgegenüber stehen die entsprechenden Definitionen für Hundezucht mit allen Erfordernissen des Tierschutzgesetzes und der Zuchtbestimmungen. Hundezucht setzt zunächst einmal Hundehaltung voraus. Hundezucht und Hundehaltung können nicht mit Briefmarkensammeln verglichen werden, weil es sich hierbei um Lebewesen handelt, die rund um die Uhr betreut,versorgt, beschäftigt, trainiert, bewegt, gepflegt und artgemäß bzw. rassespezifisch gehalten werden müssen.
Die Mindestanforderungen an Hundehaltung sind im Tierschutzgesetz geregelt und werden inzwischen von den Rassehundzuchtvereinen übernommen. Die Mindestanforderungen an die Haltung von Hunden enthalten folgende Punkte, die im krassen Widerspruch zum Hobby-Begriff stehen: Für unsere Doggen hat die Kydd seinen Entwurf der Mindestanforderungen niedergeschrieben. Demnach muss ein Züchter für folgende Voraussetzungen Sorge tragen:
- Schaffung, Pflege und Erhaltung der verhaltensgerechten Unterbringung (bestenfalls eigener Grund und Boden, Haus, zusätzliche Anbauten für Hundehaus, Futterraum, Außenzwinger, Welpenaufzuchtsraum, Auslauffläche, Freigelände)
- Eine Betreuungsperson für jeweils 8 Hunde (nicht berufstätiger ZüchterIn bzw. PflegerIn oder Angestellte)
- erforderlicher Zeitaufwand pro Tag: für jeden gehaltenen Hund täglich mindestens 2 Stunden Freiauslauf, für alle erwachsenen Hunde täglich mindestens 3 Stunden menschliche Gesellschaft, Kontakt, Ansprache, Zuwendung, für Welpen täglich mindestens 3 Stunden menschliche Gesellschaft, Kontakt, Ansprache, Zuwendung, Körperkontakt, Sozialisation
- Pflege, Instandhaltung, Hygienemaßnahmen und Reinigung von Futterraum, Unterbringung, Außenanlagen, Welpenaufzuchtsraum, Wurfkiste, Auslauffläche
- Abwesenheits- und Urlaubsvertretung
Hinzukommen für einen Züchter, die Verpflichtungen, die sich aus der verantwortlichen Hundezucht ergeben. Hundezucht definiert sich wie folgt:
Hundezucht ist die planmäßig durchgeführte Paarung von Rassehunden, die einem bestimmten Zuchtziel (z. B. Körperbau, Leistung, Gesundheit u. a.) entsprechen, in der Erwartung, dass die gewünschten Eigenschaften und Merkmale sich in den Nachkommen vererben.
Die Förderung der Zucht setzt ein definiertes Ziel voraus, das die Auswahl der bestmöglichen Zuchtpartner einschließt. Dafür werden von vielen Züchtern Anstrengungen unternommen, die weit über das Übliche hinaus-gehen: Zuchttiere werden eingesetzt ohne Rücksicht auf Entfernungen und Kosten, selbst wenn sie - gerade bei unseren Doggen- in Erdteilen außerhalb Europas liegen, Zuchttiere werden vor Ort ausgesucht und importiert, und der deutschen Zucht leichter zugänglich gemacht, Züchter reisen mit ihren Hunden zur Ausstellung in andere Kontinente und quer durch Europa, ein reger Austausch über die Landes- und Kontinentsgrenzen findet statt, um jede Chance einer Zuchtverbesserung zu nutzen.
Praktische Umsetzung
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss sich der Züchter ein umfangreiches Wissen aneignen, das über Hundeverhalten, Genetik, Erbkrankheiten, Erbgänge, Entwicklung, Umwelteinflüsse, Geburt, Aufzucht, Sozialisation, Ernährung, Gesundheit und Gesundheitsprophylaxe, Zuchtverfahren, Zuchtwahl, Rassestandard und deren "gesunde" Interpretation, umfangreiche Rassekenntnisse und -erfahrungen in der Haltung weit hinaus gehen. Dazu zählen auch Besuche von Züchter-seminaren, Rassemeetings, Zuchtschauen, , das Studium der Ahnentafeln, Zuchtbücher und kynologischer Artikel, Fachbücher, Videos, der Austausch von Erfahrungen mit langjährigen, erfolgreichen Züchtern, die Beurteilung der eigenen Hunde und der stetige Überblick über die Rasseentwicklung, die bedeutendsten Vererber, die Kontrolle über Nachzuchten, Mängel und Trends in der Rasse und die Bedeutung für die Zucht usw.usf. Hinzu kommen Kenntnisse der Gesetze und die clubinternen Vorschriften und Zuchtbestimmungen. Und der Züchter muss über sehr gute Menschenkenntnis verfügen, bzw. sie sich aneignen, um für seine Hunde die besten Besitzer zu finden.
Dazu muss der Züchter auch geschäftlich tätig werden durch:
- Werbung
- Beratung
- Präsentation
- Absatz
- Auswahl
- Betreuung
- Verkauf
- Nachsorge
Werbung
Sie wird in der Regel durch Zuchtschauerfolge, Titel, Championate, Anzeigen, Website, eigene Publikationen erfolgen.
Beratung
läßt sich durch Telefonate, Korrespondenz, persönliche Gespräche mit Interessenten, Erstellen und Übermitteln von Informationsmaterial realisieren.
Präsentation
der Zuchtstätte und Hunde erfordert Terminabsprachen, Einladungen der Hundeinteressenten, Anfahrtsskizze, Besucher und deren Bewirtung, ggf. mit dem Angebot der Übernachtungsmöglichkeit.
Absatz
bedeutet aus der Anzahl der Interessenten die bestmöglichen Kandidaten auszuwählen, dem der Züchter einen Welpen anvertrauen möchte und von dem er überwiegend überzeugt ist, dass der Welpe dort auch bis an sein Lebensende bleibt. Dazu sind das persönliche Kennenlernen, intensiver Gedankenaustausch, gemeinsame Spaziergänge mit den Hunden und ggf. wiederholte Besuche notwendig.
Letztendlich wird die Auswahl des passenden Welpen durch erneute Besuche und individuelle, ausführliche Beratungsgespräche, die auf die persönlichen Vorlieben, die Situation und Lebensgewohnheiten des neuen Besitzers ausgerichtet sind, konkretisiert.
Betreuung
oder "Kundenbindung" bis zum Abgabealter der Welpen wird durch mehrmalige erneute Besuche des künftigen Welpenbesitzers erreicht, der sich mit seinem Welpen näher vertraut machen und die Entwicklung und Aufzucht persönlich verfolgen kann. Begleitet von weiteren beratenden Ausführungen und Ratschlägen für Umplazierung, Eingewöhnung, Welpen-erziehung, Welpenprägungsspiele, Fütterung, Impfprophylaxe, der üblichen Bewirtung und dem Angebot der Übernachtungsmöglichkeit.
Verkauf
ist mit der Abholung des Welpen gekoppelt, was wiederum Besuch des Welpenbesitzers und vorerst abschließender Beratung und Anleitung für die Umplazierung des Welpen, Tipps und Ratschlägen für die problemlose Eingewöhnung, Stubenreinheit und Fütterung, Tierarztbesuche und Impfungen, Entwurmungshinweisen und Verhaltensregeln für die neue Familie, Vertragsabschluß und Unterzeichnung des Kaufvertrags, Scheck oder Geldübergabe, Futter- und Erstversorgung des Welpen mit Halsband, Futter und Spielzeug verbunden ist.
Nachsorge
gestaltet sich aus der Praxis durch Rückmeldung des Hundebesitzers und Informationen über den Zustand und das Verhalten des Welpen, reicht über Hilfestellung bei eventuellen Schwierigkeiten und Problemlösungen, beinhaltet einen oder mehrere erneute Besuche mit der Vorstellung des Junghundes, um seinen Entwickungszustand zu prüfen bis hin zur Weitervermittlung und Rücknahme des Hundes, sollten sich unvorher-sehbare Umstände beim Besitzer ergeben, die eine Haltung des Hundes unmöglich machen. In besonderen Fällen erstreckt sich Nachsorge auch auf die Anleitung, Ausbildung und Beratung des Besitzers, der mit seinem Hund Ambitionen für den Hundesport oder die Hundezucht entwickelt.
Hundezucht in diesem Sinne durchgeführt, hat nichts mehr mit einem Hobby zu tun. Allein der Zeitaufwand sprengt den Rahmen der Freizeitaktivitäten. Hundezucht setzt Professionalität voraus, d.h. berufsmäßiges Können und Versiertheit, somit überschreitet verantwortungsvolle Hundezucht die Grenzen eines Hobbies und ist mehr, nämlich Profession, Berufung und pseudowissenschaftliche Arbeit und Dienstleistung.
Genehmigungpflicht
Um eine Hundezucht realisieren zu können, müssen Hündinnen gehalten werden. Das deutsche Tierschutzgesetz verpflichtet aber jeden Hundezüchter, der mehr als drei fortpflanzungsfähige Hündinnen hält oder drei oder mehr Würfe Welpen pro Jahr zieht, eine Erlaubnis nach § 11 TSchG einzuholen. Diese Genehmigung muss beim zuständigen Veterinäramt beantragt werden. Folgende Voraussetzungen sind für diese Erlaubnis zu erfüllen:
1. Fachkenntnisse der für die Tätigkeit verantwortliche Person (z.B. eine abgeschlossene Ausbildung zum Tierpfleger(in), Tierpflegemeister(in) oder eine andere abgeschlossene staatlich anerkannte oder sonstige Aus- oder Weiterbildungen, die zum Umgang mit Hunden befähigen)
2. Zuverlässigkeit der verantwortlichen Person (Nachweis durch ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis)
3. Die Räume und Einrichtungen für die Ausübung der Tätigkeit müssen eine tierartgerechte Ernährung, Pflege und Unterbringung der gehaltenen und angebotenen Tiere ermöglichen.
Die Erlaubnis ist mit Befristungen, Bedingungen und Auflagen zu versehen, soweit das zum Schutz der Tiere erforderlich ist. So kann insbesondere die Führung eines Tierbestandsbuchs, eine Beschränkung der Tiere nach Art, Gattung oder Zahl und die regelmäßige Fort- und Weiterbildung angeordnet werden, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der Hintergedanke einer zusätzlichen (neben den rasseklubüblichen Kontrollen) amtlich überwachten Zucht ist zu begrüßen. Doppelt hält besser. Ein seriöser Hundezüchter hat kein Problem damit, seine Fachkunde nachzuweisen, ein Führungszeugnis beizubringen und die Haltungs-bedingungen für seine Hunde und die Unterbringung kontrollieren zu lassen. Er hat aber sicher ein Problem mit der Bezeichnung "gewerbsmäßige Hundezucht" , weil dieser Begriff negativ belastet ist und viel zu viele Hundebesitzer damit automatisch Massenhaltung und Massenzucht assoziieren, was keineswegs der Fall sein muss, wie nachstehendes Beispiel zeigt.
Mit einem Antrag auf Genehmigung der Hundezucht gem. § 11 TSchG wird dem Hundezüchter eine gewerbsmäßige Hundezucht-Genehmigung erteilt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Züchter nur alle drei Jahre einmal einen Wurf zieht, sondern die Anzahl der gehaltenen fortpflanzungsfähigen Hündinnen ist auschlaggebendes Kriterium. Es bleibt auch unberücksichtigt, ob ein Züchter Hündinnen zur Zucht verwendet, die nicht in seinem Haus leben, um den eigenen Bestand niedrig zu halten und damit mehr Zeit für die Betreuung zu haben oder seinen Hündinnen nur 2 Würfe im Leben zumuten will als einer einzigen Hündin vier oder fünf. Sobald er drei Würfe im Jahr zieht, fällt er ebenfalls unter die Anmeldepflicht.
Fiktives Beispiel aus der Praxis
Familie Aufgewacht hat sich eine schöne Doggenhündin angeschafft, Diese Hündin ist eine Ausnahmeerscheinung. Sie hat ein liebenswertes Wesen, . Frau Aufgewacht möchte gern eine weitere Hündin, qualitativ gute Hündin dazu haben, weil sie auch gern ausstellt und mit einer eventuellen Zucht liebäugelt. Anschaffung und Unterhalt in den ersten zwei Jahren summieren sich auf 2800 EUR. Nachdem die Familie eine solche Hündin gesucht und gefunden hat, wird diese mit 12 Ausstellungen innerhalb kurzer Zeit Deutscher Champion, Meldegebühren und Fahrtkosten 1240 EUR. Auf Drängen einiger Doggenfreunde, die gern aus beiden Hündinnen einen Welpen haben möchten, entschließt sich Familie Aufgewacht, nun endlich Doggen zu züchten. Umbauten am Haus und auf dem Grundstück verschlingen 16 000 EUR. Es wird eine schöne Welpenanlage gebaut, das ganze Grundstück mit einer hunde- und welpensicheren Umzäunung abgesichert, ein sogenanntes Hundehaus mit einem ebenfalls 2m hohen Zwingerzaun gebaut. Alles ist perfekt. Der erste Zuchtpartner ist ausgesucht. Der Rüde steht in Süditalien und ist dort die Nummer eins. Decktaxe, Reisekosten und Einfuhrgenehmigung, die erforderlichen Zuchtvoraussetzungen machen nocheinmal eine Summe von 1.700 EUR aus.
Nach 9 Wochen fallen 3,2 Welpen, wovon 2 totgeboren werden. Wie es nicht anders sein konnte, verbleibt eine Hündin bei Familie Aufgewacht, die zweite geht kostenlos an eine Freundin, mit dem Versprechen, dass der Züchter wegen der besonderen Verpaarung mit ihr zwei Würfe ziehen kann. Aufzuchtskosten, einschließlich Futter, Zubehör, Impfungen und Vereinsgebühren betragen 520 EUR. Anzeigenkosten entfallen. 1 Welpe wird für 1000 EUR verkauft. Im nächsten Jahr fällt der zweite Wurf mit 7 Welpen. Familie Aufgewacht kann sich von einer Hündin nicht trennen, weil sie eine "traumhafte" Anatomie hat. Decktaxe, Fahrtkosten, Aufzucht, Werbung, alles in allem schlagen mit 1770 EUR zu Buche. Hinzugerechnet müssen werden laufende Unterhaltskosten für inzwischen 3 Doggen, die sich bis dato mit 4453 EUR niederschlagen. Zum Glück waren alle Hunde gesund und es sind keine zusätzliche Tierarztkosten entstanden. Aus dem Erlös des zweiten Wurfs kommen 6000 EUR. Wieder ein Jahr später ist auch die Hündin aus dem zweiten Wurf im fortpflanzungs-fähigen Alter und damit rutscht Familie Aufgewacht in die Sparte der gewerbsmäßigen Züchter. Wenn nicht Familie Aufgewacht , wer dann würde Hundezucht aus Hobby und Liebhaberei betreiben?, könnte der geneigte Leser meinen. Außerdem macht die Einnahmen/Ausgaben-Rechnung insgesamt einen Verlust von insgesamt 21 483 EUR aus.
Gewinnerzielungsabsicht
Gewerbsmäßigkeit setzt eine Gewinnerzielungsabsicht voraus, die allein dadurch begründet wird, dass die Tätigkeit
- nach außen in Erscheinung tritt (selbstständig)
- planmäßig und
- fortgesetzt ausgeübt wird.
Dabei spielt es keine Rolle, ob tatsächlich ein Gewinn erzielt wird. Gewerbsmäßig handelt, wer die Absicht (den auf den Erfolg gerichteten Willen) hat, sich durch wiederholte Tätigkeit eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle zu verschaffen.
Auszug aus dem Urteil des Landgerichts Darmstadt,AZ 2 0 163/99:
"... ist Hundezucht gewerblich, weil sie auf Dauer angelegt, auf Gewinnerzielung gerichtet ist und von Umfang und Aufwand her eindeutig über eine Liebhaberei hinausgeht. Wer jährlich durchschnittlich 13 Hunde aufzieht und verkauft und mehrere Zuchthunde gleichzeitig hält, um dies zu ermöglichen handelt gewerblich. Ob er dadurch einen Gewinn erzielt, ist für die Einordnung völlig unerheblich; ausreichend ist eine entsprechende Absicht..... Wenn dem in etwa gleicher Höhe Ausgaben gegenüberstehen, mag dies Zweifel an den betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten der Kläger begründen. Es ändert aber nichts daran, daß ihr Handeln auf Gewinnerzielung gerichtet und damit gewerblich ist."
Im übrigen handelt derjenige, der die gewerbliche Hundezucht vorsätzlich oder fahrlässig ohne die erforderliche Erlaubnis ausübt oder der vorsätzlich oder fahrlässig einer mit einer solchen Erlaubnis verbundenen Auflage zuwiderhandelt, ordnungswidrig und kann mit einer Geldbuße bis zu EUR 25.000.-- belegt werden!
Zusammenfassung
Die Bezeichnung Hobby-züchter ist, wie man es auch wendet und dreht, reine Augenwischerei. Weder vom tatsächlichen Aufwand, noch vom wirtschaftlichen Aspekt wird Hundezucht, planmäßig und im besten Sinne auf eine Erhaltung der Rassequalitäten oder gar einer Verbesserung ausgerichtet, eine Liebhaberei sein können (Anm. unabhängig vom Steuerrecht). Selbstbeschränkungen (ich halte eben nur 3 Hündinnen!) können sinnvoll sein, um der Gewerbsmäßigkeit zu entgehen, nicht aber, wenn eine fortgesetzte Verfolgung eines Zuchtziels geboten ist. Aus der Praxis ergeben sich spontane, zeitlich begrenzte oder situationsbedingte Entscheidungen, unwiderbringliche Chancen, die ein Züchter nutzen muss, wenn ihm tatsächlich etwas an der Rasse gelegen ist.
In jedem Fall werden Umsätze geschrieben, auch wenn nur 1 Wurf pro Jahr fällt und es wird ein planmäßiges Ziel verfolgt. Züchten heißt in Generationen denken! Tatsächlich ist Hundezucht eher so etwas wie eine Berufung, eine elitäre und Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung, die vollen Einsatz verlangt.
Abschließend muss ich einmal für alle Züchter, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, eine Lanze brechen. Es kann vielleicht nur jemand, der selbst den größten Teil seines Lebens mit Hundezucht verbracht hat und weiß wovon er spricht. Es treibt mir Zornesröte ins Gesicht, wenn ich Kritiken höre von Leuten, die von einer erhabenen Warte urteilen und jeden Züchter schon einmal von vornherein als geldgierigen Vermehrer hinstellen, ohne auch nur annähernd selbst etwas von der Praxis mitbekommen zu haben. Es gibt hundertprozentig einträglichere Beschäftigungen, die weniger Nerven und Sorgen kosten, die sich vielleicht auch einmal amortisieren oder die wenigstens nur Freude bringen, wie es sich für ein Hobby gehört. Würde man rationale und wirtschaftliche Gründe ins Feld führen, würde es genau diese Kategorie der verantwortungsvollen Züchter gar nicht geben! Und dann würde erst Recht Platz geschafft werden für jene Art Vermehrer, die keiner möchte.
Würde da nicht die Zuneigung zu den Hunden sein und würde es die vielen Liebhaber der Rasse nicht geben, die Hunde dringend zur Realisierung ihres Traumes, ja zur Bereicherung ihrer Lebensqualität "brauchen" , würde dieser ganze Aufwand mit allen Nachteilen weder physisch noch psychisch durchzuhalten sein. Denn Lebensqualität oder ein normales Privatleben kennt ein Züchter nicht. Nimmt er seine Aufgabe ernst, hat er zusätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Anrufern und Besuchern zu tun, die "Geschäftszeiten" nicht akzeptieren würden. Jeder Hundebesitzer glaubt, er hätte Anspruch auf exklusive Betreuung. Und jeder Züchter macht das mit, weil er sonst befürchtet, seinen guten "Ruf" zu verlieren. Der anfängliche Enthusiasmus stirbt mit den Jahren durch das rücksichtslose Verhalten des Umfeldes. Das beginnt bei unsinnigen Entscheidungen vom grünen Tisch bis hin zu Zuchtbestimmungen, die nur daraus geboren wurden, weil einige erfolgreichen Züchtern endlich etwas "heimzahlen" wollen (
Welcher verantwortungsbewußte Züchter hat so ein dickes Fell, dass er das alles ohne persönliche Verluste hinnehmen kann? Am Ende ist es nur noch der Mut der Verzweiflung und die Liste der Vorbestellungen und die damit zusammenhängende Vorfreude der Hundeinteressenten, die nicht vorzeitig zur Aufgabe verleiten. Ich kenne keinen Züchter, der sich nicht schon hundert Mal die Frage "Wieso mache ich das alles?" gestellt hat. Ein erfolgreicher Züchter hat überdies mit dem Neid fertig zu werden, weil dies die einzige Art der Anerkennung ist.